Im Projekt „Von Erzgebirgsstuben & Mundlöchern“ treten wir in den Dialog mit Menschen aus Bergbauvereinen, mit Nachkommen ehemaliger Bergleute und mit Partnern aus anderen Bergbauregionen. In Erzählcafés, Interviews, Bildungsreisen und Videoformaten sammeln und teilen wir Erfahrungen im Austausch, im Gespräch, im gegenseitigen Verständnis.
Der Bergbau prägt das Erzgebirge seit über acht Jahrhunderten. Seit der planmäßigen Besiedlung im 12. Jahrhundert ist die Geschichte der Region untrennbar mit dem Montanwesen verbunden – sie ist eine Geschichte von Arbeit, Erfindergeist und Wandel.
Als im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert der Erzbergbau seinen Höhepunkt überschritten hatte, wurde Sachsen zu einem Motor der Industriellen Revolution im deutschen Raum. Etwa 150 Jahre später führte die Entdeckung reicher Uranlagerstätten rund um das heutige Bad Schlema zu einer erneuten Blüte des Bergbaus. Das Erzgebirge rückte in den Fokus der Weltpolitik: Ohne die sächsischen Uranvorkommen hätte die Sowjetunion ihre „Uranlücke“ im Kalten Krieg kaum schließen können.
Mit der Wismut AG entstand einer der größten Uranproduzenten weltweit. Noch heute zeugen zahlreiche Relikte vom intensiven Bergbau und seiner Bedeutung für die Menschen und Landschaften der Region. Ende der 1980er Jahre beschlossen DDR und UdSSR das Ende der Förderung, das war für zehntausende Beschäftigte ein harter Einschnitt. Im Jahr 2021 verließ der letzte Urantransport das Wismut-Gelände: ein symbolisches Ende einer Ära. Heute widmet sich die Wismut GmbH der Sanierung der Bergbaualtlasten.
Mit der Anerkennung als UNESCO-Welterbe im Sommer 2019 wurde das Montane Kulturerbe des Erzgebirges international gewürdigt. Doch der gesellschaftliche Wandel, der mit dem Strukturbruch nach 1990 einherging, ist bis heute spürbar. Die Forschung bescheinigt dem Transformationsprozess ökonomisch zwar eine positive Bilanz, doch aus sozialer Perspektive zeigt sich ein anderes Bild: der Umbruch brachte tiefgreifende Einschnitte, Anpassungsdruck und den Verlust vieler Existenzen. Diese Erfahrungen wirken in Biografien, in Gemeinschaften, mitunter sogar in politischen Haltungen nach.
Deshalb wollen wir den Transformationsprozess ganzheitlich betrachten: wir wollen verstehen, welche Wege Menschen gegangen sind, welche Erfahrungen sie teilen und wo Brücken zwischen Ost und West entstehen können.
Was geschah in den Jahrzehnten nach der Friedlichen Revolution? Wie erlebten die Menschen im Erzgebirge diesen Wandel? Und welche Gemeinsamkeiten verbinden sie mit ihren Kumpeln in anderen Regionen Deutschlands wie dem Ruhrgebiet?
Unser Ziel ist es, Geschichten sichtbar zu machen, Stimmen zu hören und Verbindungen zu schaffen.
Ihr habt Lust, mitzumachen, habt Fragen oder habt spannende Geschichten zu erzählen? Meldet Euch per Mail: veum@resonanzraum-erzgebirge.de oder per Telefon: 03721-3699804.
Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms “Zusammenhalt durch Teilhabe” der Bundeszentrale für politische Bildung.
Friedrichstraße 25 A
09380 Thalheim/Erzgeb.